Menu
Menü
X

Haltung zeigen

Gundernhausen: Fest der Vielfalt mit 700 Menschen

Fest der Vielfalt im Kirchgarten

Das Fest der Vielfalt in Gundernhausen als friedliche Protestaktion gegen eine Wahlveranstaltung der AfD im Ort war ein Erfolg. 700 Menschen waren gekommen. Gemeindepädagogin Andrea Rücker, die die Aktion im ökumenischen Team organisiert hatte, ist glücklich, dass es gelungen ist, ein Zeichen für Vielfalt, Respekt und Weltoffenheit gesetzt zu haben.

"Die Evangelische Kirchengemeinde Gundernhausen feiert in ökumenischer Gemeinschaft mit über 700 Menschen ein Fest der Vielfalt! Für Solidarität, Toleranz, Menschenfreundlichkeit, Weltoffenheit, Freiheit und vor allem Frieden. In nur wenigen Tagen haben viele, viele Menschen rund um Gemeindepädagogin Andrea Rücker und Team Beeindruckendes auf die Beine gestellt. Es tut so gut zu erleben, dass wir gemeinsam solche gesellschaftliche Zeichen setzen können! Herzlicher Dank gerade auch vom Dekanat Darmstadt!" sagt der Stellvertretende Dekan Sven Sabary, der am Samstagnachmittag dabei war.Auch wenn die Veranstaltungen räumlich abgegrenzt waren, gab es doch einen Austausch zwischen den Demonstrierenden vor dem Bürgerhaus und den Festgästen. Alles verlief friedlich.

Kirchengemeinden: "Gundernhausen ist vielfältig"

Orla Howard vom Pfarrgemeinderat der katholischen Kirchengemeinde war sofort mit im Boot und unterstützte die Idee von Andrea Rücker, ein Fest der Vielfalt auf dem Gelände der evangelischen Kirche in unmittelbarer Nähe zum Bürgerhaus, wo die AfD-Veranstaltung stattfand, zu feiern. "Wir wollten sichtbar machen, dass Gundernhausen vielfältig ist", so Howard, "und wir haben gezeigt, dass wir nicht für das stehen, was im Bürgerhaus stattfindet." Dass man "nicht dagegen", sondern "für Werte" sei, habe man zeigen wollen, ergänzt Rainer Weber vom Kirchenvorstand der Evangelischen Kirchengemeinde Gundernhausen. Gundernhausen ist ein Ortsteil von Roßdorf im Landkreis Darmstadt-Dieburg.

"Wir stehen für Toleranz, Respekt, Akzeptanz, Vielfalt"

In windeseile waren Plakate gestaltet, gedruckt und verteilt worden. Am Samstag waren sie rund um die Kirche und im ganzen Ort zu sehen. Darauf war zu lesen: "Wir stehen für Toleranz, Respekt, Akzeptanz, Vielfalt, Diversität, Solidarität, Offenheit, Gleichberechtigung." Auf dem Verkehrskreisel am Ortseingang wehte eine Regenbogenfahne. Spenden hätten das Fest und die Herstellung der Werbematerialien möglich gemacht, so Andrea Rücker. "Es sollte für alle Generationen ein sicherer Ort sein", so Orla Howard. Viele Anwohnerinnen und Anwohner hatten im Vorfeld auch Ängste geäußert, sagt Wolfram Seeger, Pfarrer in Roßdorf, der zurzeit die Vertretung in Gundernhausen versieht und das Fest mit organisiert hat. Auch Roßdorfs Bürgermeister Norman Zimmermann besuchte das Fest und hob noch einmal die Unterstützung des Gemeindevorstands hervor.

Gemeindepädagogin Andrea Rückert zufrieden mit Fest

"Wir haben unser Ziel erreicht", zog Andrea Rücker Bilanz. Alles sei friedlich verlaufen, jede und jeder habe sich wohlgefühlt. Man habe sich auch mit der Kundgebung vor dem Bürgerhaus im Vorfeld abgestimmt, Demonstrierende hätten auch das Fest besucht, manche Festgäste seien auch bei der Demo gewesen. Es habe einen Austausch gegeben, wenn auch das Kirchgelände von politischen Transparenten frei bleiben sollte.

Die Gemeindepädagogin hatte am Nachmittag bei der Kundgebung vor dem Bürgerhaus für die Kirchen gesprochen. "Jetzt ist die Zeit", zitierte sie die Bibel und verwies auch auf das Motto des diesjährigen Kirchentags und auf die Abschlusspredigt von Pastor Quinton Ceasar dort über Vielfalt. Sie machte sich ebenfalls den Aufruf der Kirchen, Parteien an ihrem Menschenbild zu messen, zu eigen. Sie sagte weiter, dass die Politik der AfD nicht mit der Botschaft Christi vereinbar sei. jesus habe Menschen, egal welcher Herkunft, nicht ausgegrenzt. Die Stimmung vor dem Bürgerhaus sei gut gewesen. Man habe einander zugehört.

Friedensandacht zum Abschluss in der Kirche

Um 17 Uhr versammelten sich zum Abschluss rund 100 Teilnehmende zur Friedensandacht in der evangelischen Kirche, die Pfarrer Wolfram Seeger, Gemeindepädagogin Andrea Rücker und die katholische Gemeindereferentin Christine Holle mit vielen Ehrenamtlichen gestalteten. Hier konnten Besucherinnen und Besucher auch selbst Gebete aufschreiben, die dann verlesen wurden. "Lass in unserem Ort und in unserem Land Liebe, Vernunft und Empathie siegen", lautete ein Gebet oder "Lass Menschen aller Religionen in Frieden leben". Es folgten Gebete in verschiedenen Sprachen. Eine kleine Klagemauer lud ein, Lasten abzulegen. Kerzen konnten entzündet werden. Christine Holle trug eine Geschichte über das Brückenbauen vor. Am Ende dankte Andrea Rücker Gott, dass das Fest friedlich verlaufen sei. "Deutschland und die Welt können sich ein Vorbild an Gundernhausen nehmen", sagte sie und bekam viel Beifall. Der stellvertretende Dekan Sven Sabary nahm an der Andacht teil, ebenso auch die Erste Kreisbeigeordnete Christel Sprößler, die in Gundernhausen wohnt und auch das Akkordeonorchester für das Fest organisiert hatte.

700 Menschen nehmen an Fest teil

700 Teilnehmende am Fest der Vielfalt wurden gezählt. Ebenso viele etwa demonstrierten vor dem Bürgerhaus. Dem standen etwa 75 Teilnehmende der AfD-Wahlveranstaltung im Bürgerhaus gegenüber, wie es hieß. Zu der Demonstration hatten das Bündnis gegen Rechts Darmstadt, "Bunt gegen Braun", der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und weitere Gruppen aufgerufen. Neben Vertretern der Aufrufenden sprachen auch die Landtagskandidaten aus dem Wahlkreis 50 von SPD (Bijan Kaffenberger), Grünen (Andreas Ewald), Linken (Ole Heide) und Klimaliste (Mitja Stachowiak). CDU-Kandidat Peter Franz war ebenfalls bei der Demo und beim Fest anwesend. Die Polizei meldete nur zwei kleine Zwischenfälle: AfD-Plakate waren im Ort entfernt worden und ein Mann hatte gesundheitliche Probleme bei der Demonstration.


top